10 September 2009

IV-Vorlage: Weshalb man Nein stimmen muss

Das Defizit der IV beträgt jährlich 1.4 Mia Franken. Während sieben Jahren soll die Mehrwertsteuer erhöht werden, was jährlich rund 1.1 Mia Franken bringt. Das macht immer noch einen Fehlbetrag von rund 300'000 Franken pro Jahr. Zusätzlich hat die IV bereits heute 13 Mia Franken Schulden (bei der AHV). Diese sollen "eingefroren" werden, d.h die IV bekommt 5 Mia Franken von der AHV geschenkt und er Bund übernimmt die Zinsen. Nach meiner Rechnung bleiben dann immer noch 8 Mia Franken Schulden. Summa sumarum macht das nach den sieben Jahren wiederum 10.4 Mia Franken Schulden (ohne Zinsen) bei gleich bleibendem Aufwand.

Nachdem die IV seit 1993 Defizite schreibt und das Parlament es in 16 Jahren (!) nicht geschafft hat, diese doch wichtige Versicherung so zu reformieren, dass wir sie uns auch leisten können, möchte der Bund nochmals sieben Jahre um zu diskutieren. Die Zeche bezahlen wir: Die MWST ist die unsozialste Steuer die es gibt, zumal sie als Konsumsteuer vorab Familien trifft, die nun mal einfach konsumieren müssen. Unternehmen werden diese Steuer einfach abwälzen. Hinzu kommt, das das Parlament sich über die eigenen Gesetze hinweggesetzt hat, indem es den Bundesbeschluss zu dieser Vorlage ausserhalb der Frist nachträglich abgeändert hat.

Diese MWST Erhöhung wird genause befristet sein, wie die Wehrsteuer, die 1940 auf die Dauer des 2. Weltkrieges befristet eingeführt und nahtlos 1984 in die direkte Bundessteuer überführt wurde - die wir bis heute bezahlen.

Aus diesem Gründen muss man diese Vorlage ablehnen: Unsere Parlamentarier sollen erst die IV reformieren und uns ein nachhaltiges Paket zur Tilgung der Schulden vorlegen. Der Bund muss lernen, dass wir solche illegalen Mogelpakete nicht mehr schlucken. Ausserdem müssen wir uns heute schon vorsorglich gegen europäische Verhältnisse mit MWST Sätzen von bis 25% wehren.

Blogger-Kollege M.M. fasst es wunderbar zusammen:
So muss sich der Stimmbürger einzig fragen, ob man tatsächlich einem Betrieb, der am Rande des Abgrunds wirtschaftet, sieben Jahre für die Strategiefindung einräumen kann. Oder ob man nicht die Betriebsleitung dazu zwingen muss, sofort zu handeln, in dem man die Mittel einfriert ( 12 Mia. Schweizer Franken im Jahr).

07 April 2008

Biometrie ist nicht immer die beste Lösung

Im 20 Minuten vom 27. März fiel mir folgender Artikel auf: Am Türsteher vorbei – mit gefälschtem C-Ausweis Darin wird beschrieben, wie Ausländerausweise gefälscht werden, um die Alterslimiten in Klubs zu unterlaufen. Dazu folgender Kommentar des Bundesamtes für Migration (aus dem o.g. Artikel):

«Am häufigsten wird einfach das Foto überklebt», bestätigt Sprecher Jonas Montani. Doch schon Ende Jahr dürfte sich das Problem gelöst haben: «Wegen dem Schengen-Abkommen müssen die Ausländerausweise Kreditkartenformat haben. Und ab 2010 werden sie sogar biometrisch sein», so Montani.

Die heutigen Ausweise sind aber bereits "biometrisch" - sie haben ein Photo, welches ohne weitere Hilfsmittel von jedem mit dem Ausweisträger verglichen werden kann. Da der Ausweis aber zweigeteilt ist und die Seite mit dem Ausweis einfach herausgenommen werden kann, ist das Überkleben des Photos sehr einfach zu bewerkstelligen. Gegen diese Art der Attacke sind Ausweise im Kreditkartenformat tatsächlich einiges besser gerüstet. Biometrie - im Sinne von Fingerabdrücken die auf einem Chip auf dem Ausweis gespeichert werden - hingegen, nützt hier herzlich wenig - ausser es werden alle Kontrollpunkte mit entsprechenden Lesegeräten ausgestattet. Was in dem im Artikel beschrieben Szenario (Kontrolle durch Türsteher bei Klubs) wohl kaum durchführ- oder wünschbar ist. Selbst in dem unwahrscheinlichen Fall einer Ausrüstung mit entsprechenden Lesegeräten müssten sich Besucher bereiterklären, sich die Fingerabdrücke durch Türsteher abnehmen zu lassen. Meines Erachtens ist das Missbrauchspotential seitens der Türsteher und Sicherheitsfirmen grösser als der zusätzliche Gewinn an Sicherheit. Ausserdem ist - wie der deutsche Chaos Computer Club (CCC) bereits 2004 zeigte - die Manipulation eines Fingerprint-Readers mit einfachen (Haushalts-)Mitteln zu bewerkstelligen.

Nicht abzusehen wäre der Schaden, wenn Zugriff auf die auf dem Chip gespeicherten Daten unzureichend geschützt wäre und Ausweise digital kopiert werden könnten. Zusammen mit einem (kopierten) Fingerabdruck könnte jemand so mich inpersonifizieren und allerlei Schaden anrichten. In einem solchen Fall dann seine Unschuld zu beweisen, wäre eine ziemliche Herausforderung.

Diese Sicherheitsmassnahme "Biometrie" nützt also in diesem konkreten Fall weniger als sie potentiellen Schaden anrichten könnte.

05 October 2007

Steve Ballmer in der Schweiz auf Staatsbesuch?

Der Tagesanzeiger titelt heute:
Microsoft-Chef Steve Ballmer war gestern auf Staatsbesuch in Oerlikon und weihte ein neues Produkt mit lokalen Wurzeln ein. (Quelle)
Auf Staatsbesuch? Gemäss Wikipedia:

Ein Staatsbesuch ist der Besuch eines Staatsoberhauptes bei einer anderen Nation in seiner Funktion als Staatsoberhaupt. Beim Staatsbesuch werden alle Ehrungen des diplomatischen Protokolls voll ausgeschöpft. Dies bedeutet insbesondere den Empfang mit militärischen Ehren sowie ein Staatsbankett.

Vielleicht verwechselt da der Tagi doch irgendetwas. Microsoft ist (noch) kein Staat - obwohl unsere Linken ja am liebsten möglichst alles verstaatlicht sähen - dann wären wohl auch unsere Ferien in Italien ein Staatsbesuch.

27 July 2007

Leipzig ist die beste deutsche Stadt Europas

Leipzig hängte bei der Umfrage in 75 Städten der 27 EU-Länder sowie Kroatien und der Türkei auch die übrigen sechs deutschen Städte Berlin, Dortmund, Essen, Hamburg, München und Frankfurt/Oder ab.

Witzig, dass in Kroatien und die Türkei auch befragt wurde, in der Schweiz aber nicht... Ist es wohl Angst, dass (wie in allen *richtigen* Umfragen der letzten Jahre) Schweizer Städte an der Spitze sind und dies wiedermal vor Augen führen würde, dass eine EU-Mitgliedschaft (trotz mancher Annehmlichkeiten) ein Abstieg für die Schweiz wäre?

26 July 2007

Rechte und Pflichten

Es gibt heute nicht mehr betrunkene Jugendliche als früher. Wir erleben (einmal mehr) eine mediale Betroffenheitskampagne. Wie erklärt man den Jugendlichen, dass einerseits das Stimmrechtsalter auf 16 Jahre gesenkt werden soll, aber gleichzeitig der Konsum legaler Drogen (woran der Staat kräftig mitverdient) weiter eingeschränkt wird? Was nützen mehr staatspolitische Rechte, wenn die täglichen Freiheiten immer mehr eingeschränkt werden? Wie können wir unsere Kinder zu verantwortungsvollen Erwachsenen erziehen, wenn wir ihnen nicht mal zutrauen, für sich selber Verantwortung zu tragen? Wie können wir unseren Jugendlichen zutrauen, sich bei Wahlen und Abstimmungen eine eigene Meinung zu bilden, aber gleichzeitig ihnen den Umgang mit Drogen nicht zuzutrauen? Jedes Vergnügen wird zur Sucht, sobald es ein gewisses Mass überschreitet. Wir werden mit solchen Massnahmen immer hypokritischer und unglaubwürdiger - und tun unseren Kindern einen Bärendienst.

14 May 2007

Wenn Markt funktioniert

Nur eine knappe Woche nach dem Fall eines der letzten grossen Kartelle in der Schweiz bricht ein "Preiskampf" aus. Bestseller werden bis zu 30% billiger angeboten als bisher. Der Beweis, das durchaus Luft in den Preisen drin war. Interessant folgende Aussage:

Klar sei jedoch, dass bei einzelnen Bestellungen, etwa aus dem Ausland, die Preise heraufgesetzt würden. Hier habe die Buchhandlung bisher oft draufzahlen müssen. «Nun müssen wir überall kaufmännisch rechnen», sagt Wyss.


Das bedeutet nichts anderes, als dass endlich auch hier ein funtionierender Markt entsteht. Wir haben jahrelang zuviel für Bücher bezahlt.

Preiskampf um Bestseller ausgebrochen

Und den Markt gibt es doch...

05 April 2007

Auch wer lange im Ausland ist muss TV-Gebühren zahlen

Das Schweizer Staatsfernsehen mutiert immer mehr zur Zwangsabgabe. So langsam wäre es an der Zeit, mit zivilem Ungehorsam die SRG zum sparen und einem vernüftigen Program zu zwingen. Ist es nicht merkwürdig, dass unser staatliches Fernsehen Werbung ausstrahlen darf und dennoch über Gebühren (Achtung: Doppelsinn!) finanziert werden muss? Es gibt zahlreiche Privatsender, die sich nur durch Werbung finanzieren - aber dann müsste ja man ein Program machen, das sich die Menschen auch tatsächlich anschauen wollen. Es braucht die SRG ganz einfach nicht. Die Idee, das der Staat Rundfunk und Fernsehen machen muss, stammt aus einer längst vergangenen Zeit.

Auch wer lange im Ausland ist muss TV-Gebühren zahlen (Schweiz, NZZ Online)
Dabei komme es noch nicht einmal darauf an, ob das Stromkabel des Geräts eingesteckt sei. Gegen eine persönliche Anwesenheit als Voraussetzung für die Gebührenpflicht spreche im Übrigen auch, dass Programme aufgezeichnet werden könnten.
Da bleibt wohl nichts anderes übrig als sich vollständig abzumelden und den Fernseher zu verschenken. Bei dem Program (1) gar keine schlechte Idee.

(1) Beispiele gefällig?
- «Scheisskunst» oder «Kunstscheisse»? Über Ekel und Nutzen fäkaler Kunst
- Die tägliche Spiel-Show mit Sven Epiney
- Witzige Rateshow mit Frank Baumann
- SMS-Quiz für Kinder